Schweizer Weine werden international oft übersehen — kein Wunder, fast 99 % der Produktion wird im Inland getrunken und erreicht den Weltmarkt kaum. Aber wer sich darauf einlässt, entdeckt hervorragende Tropfen mit eigenem Charakter. Ich trinke seit Jahren bevorzugt Schweizer Weine — aus Überzeugung, nicht aus Patriotismus — und teile hier meine Empfehlungen aus den wichtigsten Regionen.
Zürcher Weinland — Direkt vor der Haustuer
Als Winterthurer liegt das Zürcher Weinland praktisch vor der Tuer — eine halbe Stunde mit dem Velo und du stehst zwischen den Reben. Die Region um Andelfingen, Neftenbach und Stammheim produziert erstklassige Weiss- und Rotweine, die in den letzten Jahren qualitativ enorm zugelegt haben.
Der Riesling-Silvaner (Mueller-Thurgau) ist die Leitsorte der Region: frisch, unkompliziert, leicht fruchtig, perfekt als Sommerwein oder zum leichten Essen. Für Rotwein-Fans lohnt sich ein Blauburgunder (Pinot Noir) aus dem Weinland: nicht zu schwer, elegant, mit feiner Kirschfrucht und einer Spur Würze. Flasche ab CHF 14 bis CHF 25 im Direktverkauf beim Winzer — fahr hin und probiere vor dem Kauf. Viele Winzer bieten an Samstagen offene Keller an.
Wallis — Die Kraft der Sonne
Das Wallis ist das grösste Weinanbaugebiet der Schweiz und die Weine zeigen es: kraftvoller, reifer, sonnenverwoehnt. Die steilen Haenge und die intensive Sonneneinstrahlung im Rhonetal ergeben Trauben mit viel Extrakt und Charakter.
Der Fendant (Chasselas) ist der Walliser Klassiker — trocken, mineralisch, mit einer leichten Bitterkeit im Abgang. Er passt zu Käsefondue wie kaum ein anderer Wein und ist auch solo als Aperitif hervorragend. Bei den Roten empfehle ich einen Cornalin — dunkel, würzig, mit Aromen von Brombeere und Pfeffer. Oder einen Humagne Rouge, der noch seltener ist und mit seiner erdigen Note überrascht. Beides autochthone Sorten, die es fast nur im Wallis gibt. Preislich bewegst du dich zwischen CHF 15 und CHF 35 pro Flasche.
Waadt (Lavaux) — UNESCO und Weisswein
Die Weinberge am Genfersee gehören zum UNESCO-Welterbe — und die Weine sind genauso beeindruckend wie die Landschaft. Chasselas dominiert, aber hier mit einer anderen Note als im Wallis: eleganter, vielschichtiger, mit Zitrus- und Feuersteinaromen und einer fast salzigen Mineralitaet, die vom Kalkboden stammt.
Die Appellationen Dezaley und Saint-Saphorin sind die Spitze der Region. Ein Dezaley aus einem guten Jahrgang kann mit manchem Chablis mithalten — Flaschen ab CHF 20, die besten Exemplare bis CHF 50. Wenn du die Weine an ihrem Ursprung probieren willst: Die Wanderung durch die Lavaux-Weinberge von Lutry nach Saint-Saphorin ist einer der schönsten Halbtages-Ausflüge der Schweiz.
Buendner Herrschaft — Pinot Noir vom Feinsten
Die Buendner Herrschaft — Flasch, Maienfeld, Jenins, Malans — produziert einige der besten Pinot Noirs der Schweiz. Das Klima ist einzigartig: Der Foehn bringt warme, trockene Luft aus dem Süden und sorgt für eine lange Reifezeit. Das Ergebnis sind konzentrierte, aber elegante Rotweine mit Finesse, roter Frucht und feiner Würze.
Nicht guenstig — die meisten Flaschen beginnen bei CHF 25, Spitzenlagen kosten CHF 40 bis CHF 70 — aber jeden Franken wert. Wenn du einen Schweizer Rotwein zum besonderen Anlass suchst oder jemanden überraschen willst, der glaubt, guter Pinot komme nur aus dem Burgund, greif zu einem Flaescher oder Jenienser. Das Aha-Erlebnis ist garantiert.
Meine Empfehlungen zum Einsteigen
- Für Weisswein-Einsteiger: Ein Riesling-Silvaner aus dem Zürcher Weinland — unkompliziert, frisch und guenstig (ab CHF 14).
- Für Rotwein-Einsteiger: Ein Blauburgunder aus dem Weinland oder ein leichter Pinot Noir aus der Buendner Herrschaft (ab CHF 18 bzw. CHF 25).
- Für Entdecker: Ein Cornalin aus dem Wallis — eine Rebsorte, die es so nirgendwo anders gibt, mit einem unverwechselbaren Profil.
- Für besondere Anlässe: Ein Dezaley aus dem Lavaux (Weiss) oder ein Top-Pinot-Noir aus Flasch (Rot) — beides auf internationalem Spitzenniveau.
- Für Neugierige: Ein Petite Arvine aus dem Wallis — eine Weissweinsorte mit exotischer Frucht und salzig-mineralischem Abgang, die dich überraschen wird.
Wo Schweizer Weine in Winterthur probieren?
In den Weinbars in Winterthur findest du eine gute Auswahl an Schweizer Weinen. Besonders die Vinothek Rebstock in der Altstadt hat sich darauf spezialisiert — dort kannst du viele der genannten Weine glasweise probieren, bevor du dich für eine Flasche entscheidest. Die Weinstube Obertor hat ebenfalls eine solide Schweizer Auswahl, und im Glashaus kannst du über den Automaten verschiedene Schweizer Weine in kleinen Portionen vergleichen.